Stories Starkes Duo

Wertvolle Architektur, die das tägliche Leben bereichert, lässt sich mit niedrigen Baukosten verbinden. Die Architekten Alberto Bach und Anton Ulbel das nicht nur mit Hochbauten.

Nicht schöne, nicht gute, sondern wertvolle Architektur als ein Ergebnis von Teamwork ist die Philosophie von Alberto Bach und Toni Ulbel, gemeinsam sind sie Albertoni. 1992 haben die beiden ihre kreativen Kräfte gebündelt und gründeten in Gamlitz ihr Studio für Architektur und Design mit Büros in Wien und Gamlitz. In Ratsch an der südsteirischen Weinstrasse hat das innovative Duo Mitte der neunziger Jahre mit einem ungewöhnlichen Landhaus ein Zeichen in die Weinberge gesetzt und damit erstmals bei uns für zahlreiche heftige Diskussionen gesorgt. Dabei sind Alberto Bach und Anton Ulbel bei der Realisierung dieses Projektes eine intensive Kommunikation mit der vorhandenen Natur eingegangen. Damals noch umstritten, hat sich diese Form der Architektur heute akklimatisiert und die beiden Architekten können bis dato auf viele weitere erfolgreiche Umsetzungen ihrer Ideen hinweisen, die sich alle bestens bewährt haben. Visitenkarten ihres Schaffens sind die südsteirischen Weingüter Gross (siehe auch Seite 56 und 57), Söll, Schloss Melcher, Terra Gomeliz von Sebastian Lerchl oder das neue Weinarchiv und Degustationsobjekt von Willi Sattler.

Die Projekte von Albertoni sind ein ständiges Suchen nach schlichter Eleganz und ausgewogener Schönheit ohne viel Aufwand, eine mitunter äusserst spannungsreiche Mischung aus Alt und Neu. Unaufdringlich bestehen alle ihre Bauvorhaben auf eine eigene Sprache, dabei werden ohne falsch verstandene Traditionen örtliche Elemente reflektiert. Die Erkundung neuer architektonischer Möglichkeiten und Technologien sowie deren Realisierung stehen dabei im Vordergrund. Zugute kommt den beiden Designern die solide praktische Ausbildung. Anton Ulbel zum Beispiel wuchs im elterlichen Tischlereibetrieb in Gamlitz auf, entdeckte schon früh die Vorzüge von Holz als gestalterisches, natürliches Element und widmete sich als Jugendlicher der Planung und Einzelfertigung hochwertiger Möbelstücke. Nach seiner Matura studierte der Südsteirer in Graz und Wien Architektur.

Bei Alberto Bach stand nach der Matura in Wien ein Architekturstudium auf dem Plan, doch zog er diesem bald eine Kunsttischlerausbildung vor. Der Beutesteirer, Sohn der bekannten verstorbenen Künstlerin Ricca Bach, arbeitete viele Jahre in Paris und der Normandie als Möbelrestaurator, ehe er sich mit seinem Jugendfreund Anton Ulbel zusammentat.

Wien war der erste Nährboden für das kongeniale Duo. Mit Innenarchitektur, Design und Architektur, die das Leben in der Großstadt thematisierte, schaffte Albertoni innerhalb kurzer Zeit den erhofften Durchbruch in der Wiener Bauszene. Die Realisierung spektakulärer Projekte sind die wahren Kinder dieser Metropole: Sie sind jung, urban und chic. Den Designerphantasien sind dank Einsatz neuester Industriewerkstoffe keine Grenzen gesetzt, alle Elemente werden bewusst ausgewählt, platziert und oft mit traditionellen Mustern aus Holz oder Schmiedeeisen kombiniert. Bach und Ulbel sind glühende Anhänger der Inszenierung und wahre Meister, wenn es um den Einsatz von Licht geht. „Unsere Architektur ist ein Film, auf der sich natürliches und inszeniertes Licht abbilden. Es beeinflusst nachhaltig die Gemütswelt des Menschen. Es entsteht ein ständiger Rhythmus zwischen Transparenz und Dichte.“ So wurde in der Wiener Nobelboutique Chegini in der Plankengasse eine Wand mit künstlichen Fenstern virtuos verkleidet, von der Fassade geschickt hinterleuchtet. Nichttransparente Glaszylinder wiederum dienen ebendort als Umkleidekabinen. Und selbst eine nur 25 m2 große Innenstadtboutique überrascht mit bewusst inszenierten Lichtobjekten und Spiegeln, es ensteht eine Ambivalenz zwischen Begrenzung und Öffnung – schlicht, minimalistisch, aber nie langweilig. Albertonis Art der klaren Gestaltung liegt auch im Interesse der Bauherrschaft, denn man richtet sich immer nach dem vorhandenen Budget und sucht damit nach den optimalsten Lösungen. Das gilt natürlich für jede Brieftasche.

Text: Henry Sams
Fotos: Gernot Schmutz, box

   
 
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